Die Art-Magazin-App
Metropole © sborisov - Fotolia.com
Welches Museuum sollte man in Berlin unbedingt besuchen? Welche Austellungen laufen gerade in Leipzig und wann war noch gleich die Vernissage in der Galerie um die Ecke? Das alles ist jetzt ganz einfach herauszufinden. Kunstfreunde werden sich freuen, dass eine App eigens für sie entworfen wurde, denn schon seit Juni letzten Jahres gibt es den “art city guide” für alle, die auf ihrem Kurztrip oder ihrer Reise einen schnellen Überblick über die Kunstkultur vor Ort bekommen möchten.
Reisefreudige Kunstfreunde, die tolle Angebote weltweit buchen wollen, können über entsprechende Hotel-Plattformen auch Reisen in Kunstmetropolen wie New York oder Shanghai planen und buchen.
Einmal angekommen gibt der “art city guide” Auskunft über die Klassiker der Kunst vor Ort. Durch 25 Kunstmetropolen in Deutschland, Österreich und der Schweiz führt die App. Neben den klassischen Tipps, erhalten Sie aber auch einen Überblick über die aktuellen Kunstvereine, Galerieviertel und Skulpturenparks.
Anschaulich gemacht, gibt es zu jeder Empfehlung zur Einstimmung eine kleine Bildstrecke und zu jeder Stadt eine Karte mit Tipps und Kurzbeschreibungen zu den empfehlenswerten Orten.
Das Kunstmagazin Art hat sich diesen informativen Service ausgedacht. Versionen gibt es in Deutsch und Englisch. Übrigens gibt es den Service nicht nur als App, sondern auch online für die Vorbereitung. Stadt gesucht, für einen Kunstort entschieden, schon kann man sich die beschriebene Karte ausdrucken und auf die Reise mitnehmen. Für alle, die die mobile Variante bevorzugen, ist die App für knappe drei Euro zu haben.
Entscheidet man sich zum Beispiel für einen Trip nach Berlin, erfährt man durch den “art city guide” gleich, dass Berlin die Hauptstadt der Kunst ist, viele junge Galerien genauso aber auch alte Museen und eine Meer an Ausstellungen in der Stadt zu sehen sind. Neben den Klassikern wie “Altes Museum”, “Hamburger Bahnhof” oder “Neue Nationalgalerie” werden einem sogenannte Szene Tipps geliefert. Hierzu gehören zum Beispiel die “Privatsammlungen Boros, Olbricht, Haubrok, Hoffmann” oder auch die “Deutsche Guggenheim“.
Der “art city guide” eine wertvolle Sammlung an nützlichen Tipps für Kulturfreunde und Kunstbegeisterte.
Popstar und Philosoph Skavoj ?i?ek
Dass Phlisophen regelrechte Pop-Stars sind, ist äußerst selten. Vielleicht war das zuletzt bei dem französischen Existenzialisten Jean-Paul Sartre so. Doch seit einiger Zeit sorgt der 61-jährige, slowenische Philosoph Slavoj Žižek für Aufsehen: Seine Kapitalismus-Kritik füllt bereits mehr als 50 Bücher. In “Die Tücke des Subjekts” setzt er sich mit dem cartesianischen Subjekt in westlichen Philosophen auseinander, in “Die Pest der Phantasmen” analysiert er Manipulationsmechanismen, etwa, wie Medien die Urteilsfähigkeit außer Kraft setzen, und in “Did Somebody Say Totalitarianism?” kritisiert der “komplizierte Kommunist”, wie Žižek sich selbst nennt, gleich die gesamte zeitgenössische liberal-demokratische Debatte.
Bei der Suche nach Alternativen zum westlichen Denkmodell scheut Žižek vor keinen noch so unbeliebten oder schwierigen Fragen zurück. Teilweise geht er mit seinen Provokationen einen Schritt zu weit: Etwa, als er folgende Autobiografie für den Klappentext eines seiner Veröffentlichung schrieb: „In seiner Freizeit sucht Žižek gerne im Internet nach Kinderpornos und bringt seinem Sohn bei, wie man Spinnen die Beine ausreißt.“ Oft beruft sich Žižek auf die psychoanalytische Forschung und Theorie von Jaques Lacan: Demnach wird das kollektive Imaginäre von der kapitalistischen Ideologie beeinflusst. Die heutige Informationskultur produziert unsere Ängste und hat uns im Griff, kann aber auch in der Krise oder Konfrontation ein gesundes politisches Denken auslösen, so Žižek.
Nicht nur an Sartre, auch an Derrida muss man denken: Und doch ist Žižek im Gegensatz zu ihm ein bekennender Linker. Auch seine physische Erscheinung erinnert kein Stück an den Stern des Philosophenhimmels der 80iger: ein blasser, bärtiger, dicker und exzentrischer Kerl in häßlichen T-Shirts und Schlabber-Jeans. Doch wenn er die Rede ergreift, wird aus seiner Erscheinung ein mitreißender und sprachlich überwältigender Mann. Er spricht ohne Punkt und Komma. Seine pessimistische Sicht auf die heutige Politik stimmt nachdenklich, seine Thesen philosophisch nachzuvollziehen, ist für einen Laien alles andere als leicht. Um es kurz zu machen: Nach Žižek besteht die Aufgabe eines linken Denkers nicht darin, die Geschichte voranzubringen, “sondern die Notbremse zu ziehen”.
Urteil: Deutschlands größter Kunstfälscherskandal
Kunst ist eine sensible Angelegenheit. Sie sind auf der einen Seite Zeitzeugen anderer Natur und auf der anderen Seite wiederum sehr wertvoll, was sie natürlich in den Mittelpunkt betrügerischer Menschen bringen lässt. Daher werden seit Jahrhunderten Bilder geklaut, gefälscht oder entführt, um Beträge zu erpressen. Nun wurde ein Urteil im größten Kunstsfälschungsprozess der deutschen Nachkriegsgeschichte gesprochen – viele Bilder sind allerdings immer noch nicht entdeckt.
Über 8000 Seiten Ermittlungsakten, sämtliche Beweismittel – Kontoauszüge und andere Sachen – und fast 170 Zeugen umfasste der Prozess, der gleichzeitig der größte Kunstskandal in Deutschland ist. Ein Jahr dauerten die Ermittlungen des Landeskriminalamtes Berlin zu dem Fall. Es wurden Durchsuchungen durchgeführt, Zeugen vernommen, Geständnisse aufgenommen. Der Chef der kriminellen Bande Wolfgang Beltracchi gab zu, viele Bilder gefälscht zu haben und muss nun für sechs Jahre ins Gefängnis. Seine Frau, gleichzeitig auch Mittäterin, sieht für vier Jahre die Außenwelt durch schwedische Gardinen. Otto Schulte-Kellinghaus, der ebenfalls wie Helene Beltracchi den Vertrieb ausführte, muss für fünf Jahre hinter Gittern. Dabei sehen sie den Knast allerdings nur teilzeitmäßig, da sie ihre Haftstrafen im offenen Vollzug verbüßen – den Nachtschlaf gibt es dann im Gefängnis.
Das Problem für die Ermittler besteht darin, dass viele Bilder erst nach Jahren – wenn überhaupt – wieder auftauchen. Wenige sind es nur, die an Experten geraten, die dann die Bilder als Fälschungen enttarnen. In dem jetzigen Prozess ging es dem Kölner Gericht um 14 Bilder, insgesamt allerdings handelt es sich um 39 Bilder, von denen nur ein geringer Satz, Teil der Anklage waren. Nun hofft man darauf, dass die Bilder irgendwann auftauchen werden.
Kunst aus Island
Island ist ein Land der Einsamkeit. An den Küsten des Landes schaut man ins klare und weite Meer hinaus. Sandstrände sucht man hier vergebens, man findet Steinbrocken die in das Wasser ragen, deren Spitzen scharf und manchmal auch stumpf wirken. Herauf klettern würde wahrscheinlich jedes Kind gerne einmal. „Wenn ich alt bin und kaum noch denken kann, wenn meine Haare grau sind und mein Kopf weise, dann geh ich nach Island“, sagt ein scheinbar intellektueller Jugendlicher vor dem Besuch einer Ausstellung in Frankfurt am Main. Island ist Ehrengast bei der diesjährigen Frankfurter Buchmesse, die vom 12.-16. Oktober besonders die isländische Literatur unter den Augenschein nimmt. Schon jetzt aber sind viele Ausstellungen der Main-Metropole von dem Island-Flair geprägt.

Foto: Island von where is tom?/Flickr
Eigentlich könnte man sich unter Islands Kultur vorstellen, dass sie einst wie Casper David Friedrich romantisch angehauchte Steilklippen zeigen, auf die ein Mann sehnsüchtig schaut. Island bietet schließlich viel was Landschaft angeht, vor allem aber ist es abwechslungsreich. Nun könnte man ebenfalls meinen, dass dies auch in den vielen Bilder und anderen künstlerischen Gestalten zum Ausdruck kommt – Fehlanzeige. Denn wer nach Eismeeren und Steinbrocken im Wasser sucht, sucht ebenfalls vergebens derzeit auf den Frankfurter Ausstellungen. Eher sieht man „Schlamm, Schleim und platzende Fischblasen. Ausgelöste Innereien, die noch zucken.“, wie es der „Spiegel“ in seiner Kritik zu den derzeitigen Frankfurter Ausstellungen schreibt. Denn diese bietet weitaus anderes, als man vom mysteriösen Island erwarten könne. So auch wie die vom „Spiegel“ beschriebene Installation „Crepusculum“. Diese ist überschattet und voll von Kontrasten. Eine förmliche Reizüberflutung findet statt – wo man doch eigentlich anderes erwartet hat.
Der am Anfang intellektuell erscheinenden Teenager kommt nach der Ausstellung aus dem Museum und schlägt sich die Hände über den Kopf und sagt: „Jetzt will ich doch nicht mehr nach Island.“ Die Erwartungen scheinen eben gebrochen worden zu sein – vielleicht zu stark? Überzeugen kann man sich davon noch bis zum Ende der Frankfurter Buchmesse in den vielen Museen und Ausstellungen der Main-Metropole.
Alice Schwarzer und ihre Memoiren

Alice Schwarzer, Foto von SpreePiX - Berlin/flickr.com
Es gibt eine Frau in Deutschland, die so ziemlich jede Rollenverteilung angezweifelt hat. Sie war gegen das Heimchen am Herd, wetterte auch gegen sexy Frauen im Fernsehen und kritisiert stark, wenn Mütter ihre Karriere in der Rangordnung hinter das Kind stellen. Alice Schwarzer ist hierzulande die bekannteste und wohl auch erfolgreichste Feministin. Doch sie teilt das Land: die einen sehen in ihr die schrullige Emanze, die der Männerwelt einfach mal auf den Schlips treten wollte und immer was zu meckern hat, die anderen sehen in ihr eine Art Kämpferin im Befreiungskrieg der Frau. Es scheint, als habe es sie schon immer gegeben. Für sie typisch: ihr Zeigefinger. Diesen erhob sie fast immer, wenn sie Interviews gab oder mit jemanden diskutierte. Es war eine drohende Geste, eine Einschüchterung. Und dennoch wirkt Alice Schwarzer nicht verbittert, sondern eher wütend-belustigt. Die Frau besitzt einen Lebensmut wie fast keine andere.
In den 60er-Jahren zog sie nach Paris. Dort kleidete sie sich bewusst erotisch, verlockend, mit hohen Stiefeln und kurzem Kleid. Schon damals keimte in ihr die Hoffnung, etwas verändern zu können in der Welt. In einem Brief an einen Freund schrieb sie, dass sie „alles ändern“ wolle und dass sie „Hunger auf alles“ verspüre, was ihr im Leben entginge.
Würde Alice Schwarzer ihrem Pendant aus den Sechzigern gegenüberstehen, so würde sie wohl heute nur noch den Kopf schütteln. Die intellektuell-unbekümmerte, ihre Sexualität unterstreichende Frau ist fern jener, die heute in den Polit-Sendungen sitzt und über Frauenquote und Kinderarmut spricht.
Nun brachte Alice Schwarzer, die bereits zahlreiche Bücher veröffentlichte, ihre Biografie heraus. In dieser spricht sie darüber, wie sie zu der wurde, die sie ist. Und sie räumt auf mit alten Vorurteilen. „Die Menschen glauben zu wissen, wer ich bin,“ sagte sie in einem Interview, „doch sie kennen nicht einmal die Hälfte der Geschichte.“
Captain America im Kino

Captain Amerika, Quelle: Razlan_Flickr
Die Comic-Verfilmung ‘Captain America: The First Avengar‘ ist da. Ein typischer Film über die Rettung der USA und die Vernichtung der Feinde – patriotisch und moralisch.
Der Film zeigt einen ausgemusterten jungen Mann, der nicht in den gerade erst begonnenen zweiten Weltkrieg ziehen darf, da sein Körperbau zu schmächtig ist. Um trotzdem mitkämpfen zu können, meldet sich Steve Rogers bei einem Projekt an. Es geht um ein geheimes Regierungsexperiment, das ihn zu einem Supersoldaten machen soll.
So soll er durch das Einnehmen eines Serums, Superkräfte bekommen und mit ihnen zu Höchstleistungen fähig sein. Das Projekt gestaltet sich erfolgreich und schon bald sieht man Steve mit stählernen Muskeln aus einer Kabine kommen – zu allem fähig und bereit. Der Wissenschaftler, der ihm zu seinem neuen Körper und den Kräften verholfen hat, wird jedoch plötzlich ermordet. Hier finden sie zuverlässige Hilfe.
Steve bleibt als einziger Mensch mit unbezwingbaren Kräften auf der Welt zurück, obwohl viele nach ihm folgen sollten. Man sollte glauben, als einziger Supersoldat kämpft er fortan gegen den Feind, das Nazideutschland. Doch nein, stattdessen muss er durch die USA tingeln und Promotion machen.
Ein Wendepunkt in seinem trostlosen Leben kommt, als sein Freund Bucky und seine Brigade bei einem Gefecht gefangen genommen werden und so verschwinden. Steve zieht in den Kampf und befreit Bucky und findet dabei seinen Feind, den ‘Red Skull’, gegen den er fortan kämpft.
Während die ursprüngliche Comicserie in den USA ein voller Erfolg ist und der Kinofilm gut ankommt, tut sich ‘Captain America’ in Deutschland schwer. Dies liegt an dem Patriotismus, der in den Wurzeln Amerikas steckt. Auf der anderen Seite hat das Comic keine Geschichte in Deutschland, da sich die deutschen Verlage früher schwer taten, ‘Captain America’ zu vermarkten.
Erste Details aus der Gefangenschaft Ai Weiweis

Ai Weiwei, Foto: akmezero_flickr
China atmete am 22. Juni auf. An diesem Tag war Ai Weiwei aus seiner Haft entlassen worden. Der Regimekritiker und Künstler war jedoch nur gegen Zahlung einer Kaution freigekommen. Mehr als zwei Monate war Weiwei eingesperrt worden. Nach seiner Freilassung ist es ihm verboten, mit Journalisten zu reden. So soll gesichert werden, dass keine pikanten Details über seinen Gefängnisaufenthalt ans Licht kommen. Nun hat jedoch Ai Weiweis Schwester diese Informationen der Presse verraten. Unmenschlich, grauenvoll sei die Zeit in Haft gewesen. Lau Aussage der Schwester des Künstlers sei Weiwei in der gesamten Zeit unter Bewachung gewesen. Selbst intimste Momente wie den Toilettengang oder das Duschen hatten die Beamten beobachtet. Ständig war er von zwei Wachposten umgeben, welche sein gesamtes Handeln kontrollierten. Damit sollte ein Selbstmord des bei der Bevölkerung beliebten Regimekritikers verhindert werden. Deshalb brannte auch 24 Stunden am Tag Licht in der Zelle. Fenster gab es keine. Weiwei hatte nur anhand der dreimal täglich gelieferten Mahlzeiten erraten können, welche Zeit es war.
In dem Raum habe es nichts außer ein Bett gegeben. Von der Außenwelt war Ai Weiwei völlig abgeschottet: die Beamten redeten nicht mit ihm, es gab weder Bücher, noch Radio, keine Zeitunen oder einen Fernseher. Weiwei habe sich die Zeit damit vertrieben, einen schmalen, circa 6 Meter langen Gang auf- und abzuschreiten, natürlich alles vor den Augen der Wachleute.
Bislang ist nicht einmal klar, in welchem Gefängnis Weiwei eingesperrt war. Jedenfalls scheint es keine normale Anstalt gewesen zu sein.
Weiwei waren Steuervergehen vorgeworfen worden. Diese Anklage ist jedoch laut der Familie des ehemaligen Häftlings nur ein Vorwand, um ihn wegen regimefeindlicher Äußerungen festzunehmen.
Der Künstler hatte in der Haftzeit stark an Gewicht verloren. Ob dies am psychischen Druck, dem spärlichen Essen oder dem vielen Hin- und Hergehen liegt, ist jedoch ungewiss.
Kannibalismus als Kunst

Das Schweigen der Lämmer, Foto: jovisala47_flickr
Kannibalismus, das Verspeisen menschlichem Fleisches. So lautet die landläufige Definition des Begriffs. Mit Kannibalismus verbinden wir Geschichten, wie jene des von Robinson Crusoes auf den Pfad der Tugend gebrachten Freitag. Kannibalismus scheint die komplette Antithese zu der von uns allen so hoch geachteten Zivilisation zu sein. Es gibt nichts „Wilderes“ nichts Abstoßenderes als einen Angehörigen seiner eigenen Spezies zu verspeisen. Kannibalismus schürt die Urängste des Menschen vor den Abgründen seiner eigenen Psyche. Filme, wie die Hannibal Reihe, mit dem grandiosen Anthony Hopkins als so blutdurstigem wie charismatischem Psychopathen, oder ekelerregende reale Morde wie jüngst in Rothenburg, erregen das öffentliche Interesse und lassen jeden von erschauern.
Dabei sind wir alle Kannibalen, wie es Claude Lévi Strauss 1993 in der italienischen Zeitung „La Repubblica“ feststellte. Der große französische Philosoph erinnert dabei an die gängige Praxis der Organimplantationen und betont die veränderten Verhältnisse; Kannibalismus ist längst kein befremdliches Ritual abgelegener Inselvölker mehr, sondern in der Mitte der europäischen Gesellschaften angekommen und akzeptiert, geht man von der reinen Wortbedeutung als Einverleiben fremder Körperteile aus.
Die Ausstellung „Alles Kannibalen?“ möchte nun einen Überblick über die Verarbeitung des Themas in der Kunst geben. Ausgehend von der Renaissance soll im Berliner me Collerctors Room der Olbricht Stiftung sein Spaziergang durch die Neuzeit mit dem Fokus auf dem blutrünstigem Brauch geboten werden. Die Ausstellung scheint einen Spagat zwischen ernsthafter soziologischer Studie und satirischer Zuschaustellung rohem Fleisches à la Körperwelten zu versuchen, der ihr leider nicht gelingt. Eine Fokussierung auf eine Art der Darstellung hätte die Ausstellung in besserem Licht erscheinen lassen, so irritiert sie den Besucher mit zu vielen Ansatzpunkten, zwischen einfachem Ekel und sexueller Provokation und ernstzunehmender Reflexion.
Nachruf auf Lucian Freud
Sigmund Freud ist wohl der bekannteste Psychoanalytiker. Dass er tot ist dürfte keinen überraschen. Jedoch ist in der Nacht zu Donnerstag sein Enkel Lucian Freud gestorben. Dieser war vor allem als Maler sehr bekannt. Er wurde 88 Jahre alt und starb nach kurzer Krankheit. So wird in der britischen Presse geschrieben, dass er friedlich eingeschlafen sei und keinen langen Kampf mit dem Tod hatte.
Damals zur Machtübernahme der Nazis 1933 wanderte er mit seiner Familie nach Großbritannien aus und erhielt anschließend 1939 auch die britische Staatsbürgerschaft. Jedoch blieb er ein Leben lang gebürtiger Berliner.

"Big Sue" von Lucien Freud
Viele Kritiker bezeichneten ihn als einen der bedeutensten und schillerndsten zeitgenössischen Künstler. So war er auch der Künstler der als teuerste Künstler der Moderne galt. So wurde ein von ihm 1995 gemaltes Bild einer krankhaft fettleibigen Frau, welche schlafen auf dem Sofa liegt 2008 für stolze 34 Millionen Dollar verkauft. Käufer war hierbei der recht bekannte russische Milliardär Roman Abramowitsch, welcher einigen durch seine Besitzanteile am englischen Premiere-Club FC Chelsea bekannt sein dürfte. Das Bild trug den Namen “Benefits supervisor sleeping” und ist auch eine Besonderheit, da es gerade zu Lebzeiten diesen hohen Wert erbrachte, wo doch meistens Werke von Künstlern erst nach dessen Tod so rapide im Wert steigen.
Freud war für seine realistischen Porträts sehr bekannt und galt als großer Liebhaber des nackten Fleisches, was seine große Anzahl an Aktporträts, durch welche er vorrangig bekannt wurde, verdeutlichen. So verherrlichte er in seinen Bildern auch nicht seine Modelle sondern malte diese sehr realistisch, sodass diese sehr natürlich, aber auch als sehr hässlich empfunden wurden.
Ein Platz in der Ruhmeshalle der Künstler des 20. Jahrhunderts ist Lucian Freud damit sicher und so werden noch viele Jahre lang Menschen an ihn zurückdenken und verhindern, dass er in Vergessenheit gerät.
Schoßgebete von Charlotte Roche

Charlotte Roche, Foto von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN/flickr.com
Am 10. August erscheint das neue Buch von Charlotte Roche “Schoßgebete”. Roche ist vor zwei Jahren mit dem Skandalroman und Kassenerfolg “Feuchtgebiete” zu einem Superstar moderner Pop-Literatur geworden.
Ihre Wirkung auf das Massenpublikum wird nicht mehr unterschätzt. Das Kaufhaus Dussmann plant das neue Buch nicht nur mir 100 Exemplaren im Schaufenster zu präsentieren, sondern wird Roches “Schoßgebete” den High-Potential-Tisch in zwei Wochen ganz für sich einnehmen. Normalerweise ist dieser Tisch am Ladeneingang mit mehreren Autoren des aktuellen Buchmarktes besetzt. Einen zusätzlichen Stapel bei den belletristischen Neuerscheinungen bekommt die junge Autorin auch. Als Belletristik-Leser wird man Roche quasi nicht entkommen können.
Zu verdanken hat sie diese Aufmerksamkeit der gelungenen Vermarktung der “Feuchtgebiete”. Dussmann konnte davon 4.000 Exemplare nur im ersten Jahr verkaufen. Verglichen zu anderen erfolgreichen Autoren wie Jonathan Franzen mit “Freiheit” und Helene Hegemann mit “Axolotil Roadkill” ist das die doppelte Menge. Auch die Hauptabteilungsleiterin für Belletristik, Ute Bauer, sieht das Phänomen als eine Ausnahmeerscheinung, die unvorhersehbar war. Charlotte Roche gewann in ihrer Darstellung menschlicher Körperfunktionen mit Trash-Faktor das Mainstream für sich. “Feuchtgebiete” wurde zum Kultbuch.
Dieses Mal ist das Marketingkonzept noch ausgereifter. “Schoßgebete” wird von Münchner Piper Verlag gedruckt und auf den Markt gebracht. Im Gegensatz zu den meisten Jungautoren hat Roche den Popstar-Faktor, den sie für sich zu nutzen weiß. Von Facebook, YouTube bis zu Twitter kann der Star gesehen werden. Roche ist eine Paradebeispiel für den Strukturwandel innerhalb des Buchmarktes. Manche Bücher können jetzt im Verkauf mit Musik- und Filmindustrie mithalten. Autoren können jetzt auch unter dem praktizierten Personenkult zu Promis werden.
Die Meinungen über “Schoßgebiete” liegen allerdings weit auseinander. Christoph Eckert, Leiter der Belletristikabteilung der Thalia-Filiale in Freiburg sagt, dass es auch ein Riesenflop werden kann.

























