Archiv für Dezember 2011
Popstar und Philosoph Skavoj ?i?ek
Dass Phlisophen regelrechte Pop-Stars sind, ist äußerst selten. Vielleicht war das zuletzt bei dem französischen Existenzialisten Jean-Paul Sartre so. Doch seit einiger Zeit sorgt der 61-jährige, slowenische Philosoph Slavoj Žižek für Aufsehen: Seine Kapitalismus-Kritik füllt bereits mehr als 50 Bücher. In “Die Tücke des Subjekts” setzt er sich mit dem cartesianischen Subjekt in westlichen Philosophen auseinander, in “Die Pest der Phantasmen” analysiert er Manipulationsmechanismen, etwa, wie Medien die Urteilsfähigkeit außer Kraft setzen, und in “Did Somebody Say Totalitarianism?” kritisiert der “komplizierte Kommunist”, wie Žižek sich selbst nennt, gleich die gesamte zeitgenössische liberal-demokratische Debatte.
Bei der Suche nach Alternativen zum westlichen Denkmodell scheut Žižek vor keinen noch so unbeliebten oder schwierigen Fragen zurück. Teilweise geht er mit seinen Provokationen einen Schritt zu weit: Etwa, als er folgende Autobiografie für den Klappentext eines seiner Veröffentlichung schrieb: „In seiner Freizeit sucht Žižek gerne im Internet nach Kinderpornos und bringt seinem Sohn bei, wie man Spinnen die Beine ausreißt.“ Oft beruft sich Žižek auf die psychoanalytische Forschung und Theorie von Jaques Lacan: Demnach wird das kollektive Imaginäre von der kapitalistischen Ideologie beeinflusst. Die heutige Informationskultur produziert unsere Ängste und hat uns im Griff, kann aber auch in der Krise oder Konfrontation ein gesundes politisches Denken auslösen, so Žižek.
Nicht nur an Sartre, auch an Derrida muss man denken: Und doch ist Žižek im Gegensatz zu ihm ein bekennender Linker. Auch seine physische Erscheinung erinnert kein Stück an den Stern des Philosophenhimmels der 80iger: ein blasser, bärtiger, dicker und exzentrischer Kerl in häßlichen T-Shirts und Schlabber-Jeans. Doch wenn er die Rede ergreift, wird aus seiner Erscheinung ein mitreißender und sprachlich überwältigender Mann. Er spricht ohne Punkt und Komma. Seine pessimistische Sicht auf die heutige Politik stimmt nachdenklich, seine Thesen philosophisch nachzuvollziehen, ist für einen Laien alles andere als leicht. Um es kurz zu machen: Nach Žižek besteht die Aufgabe eines linken Denkers nicht darin, die Geschichte voranzubringen, “sondern die Notbremse zu ziehen”.

























