Mobbing

Lösbarer Teufelskreis oder unlösbares Leid(en)?

Unter Mobbing im Unternehmen oder dem sog. Bullying in der Schule fallen eine Unmenge von Verhaltensweisen die langfristig darauf abzielen eine Person zu schikanieren, zu drangsalieren, zu erniedrigen oder auszugrenzen. Die Folgen können durch die massive Beeinträchtigung des Selbstbewusstseins der betroffenen Person schwerwiegender sein, als z. B. durch körperliche Gewalt. Angefangen von Schulunlust und Leistungseinbrüchen können psychosomatische Beschwerden wie Kopf- und Bauchschmerzen und schließlich psychische Störungen wie Depression und Angsterkrankungen die Folge von Mobbing in der Schule sein.

Betroffene und Angehörige stellen nach einem mehr oder weniger langen Leidensweg, auf dem sich Hoffnung und Resignation abwechseln wie Tag und Nacht, häufig die Frage: "Kann man da überhaupt was tun? Und wenn ja, was?"
Die vermeintlichen Experten sind sich bzgl. einer klaren Antwort uneins. So lassen sich neben pessimistischen Stimmen, für die Mobbing (als festklebendes Etikett auf der Stirn der Betroffenen) praktisch eine unlösbare Situation bedeutet, auch euphorische Patentrezepte finden, die sozusagen den Mobbing-Ratgeber im Hosentaschenformat empfehlen, mit dessen Hilfe sich die Probleme im Handumdrehen lösen lassen.

Eine nachhaltige Verbesserung für die Betroffenen liegt m.E. in einem realitätsbezogenen Mittelweg zwischen "schwarz" und "weiß", zwischen Handlungsunfähigkeit und Machbarkeitswahn.

Durch Beratung und Coaching kann nach individuellen Wegen aus der Mobbing-Situation gesucht werden. Eine Lösung muss dabei nicht bedeuten, dass die betroffene Person von heute auf morgen nicht mehr gemobbt wird. Sie kann auch bedeuten, dem gesundheitlichen Risikofaktor "Mobbing" möglichst viele Schutzfaktoren gegenüberzustellen oder den optimalsten Umgang mit der belastenden Situation zu entwickeln. Ob das dann Kündigung, Schul-/Arbeitsplatzwechsel, Aushalten, Gespräche mit den Mobbern führen, das Lehrerkollegium oder den Betriebsrat einschalten,... bedeutet, klärt sich im Beratungsprozess. Kriterium ist die Stimmigkeit für die betroffene Person. Sie weiß am besten, was für sie hilfreich und stärkend ist und welche Wege sie nicht gehen will.

Wichtig ist in jedem Fall das Augenmerk auch auf das System zu richten, das die Mobbing-Handlungen mit ermöglicht oder gar aufrecht erhält. Denn Mobbing findet nie im luftleeren Raum statt. Mitschüler, die irrtümlich glauben sich neutral zu verhalten indem sie nichts tun oder gar wegkucken, unterstützen die Täter genauso stillschweigend wie manche Lehrkräfte die glauben es sei besser, wenn die Schüler "das untereinander regeln".

Mobbing und Bullying erfordern immer ein deutliches Stellungbeziehen aller im System beteiligter Personen. Täter-Entschuldigungs-Strategien wie "Wir machen das nur, solange der sich so blöd anzieht!" oder "Sie ist selbst schuld, weil sie eine Petze ist!" müssen als solche erkannt und zurückgewiesen werden - denn es darf keine Entschuldigung geben, Menschen zu schikanieren.

Oliver Watzal
Dipl. Päd., Dipl. Sozialpäd. (FH)

Systemischer Berater & Therapeut, Supervisor & Coach

Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendlichen der Caritas in Grafing

 

Weitere Informationen zum Thema Mobbing finden Sie unter:
http://www.psy.lmu.de/mobbing/mobbing.html