Kannibalismus als Kunst

Das Schweigen der Lämmer, Foto: jovisala47_flickr
Kannibalismus, das Verspeisen menschlichem Fleisches. So lautet die landläufige Definition des Begriffs. Mit Kannibalismus verbinden wir Geschichten, wie jene des von Robinson Crusoes auf den Pfad der Tugend gebrachten Freitag. Kannibalismus scheint die komplette Antithese zu der von uns allen so hoch geachteten Zivilisation zu sein. Es gibt nichts „Wilderes“ nichts Abstoßenderes als einen Angehörigen seiner eigenen Spezies zu verspeisen. Kannibalismus schürt die Urängste des Menschen vor den Abgründen seiner eigenen Psyche. Filme, wie die Hannibal Reihe, mit dem grandiosen Anthony Hopkins als so blutdurstigem wie charismatischem Psychopathen, oder ekelerregende reale Morde wie jüngst in Rothenburg, erregen das öffentliche Interesse und lassen jeden von erschauern.
Dabei sind wir alle Kannibalen, wie es Claude Lévi Strauss 1993 in der italienischen Zeitung „La Repubblica“ feststellte. Der große französische Philosoph erinnert dabei an die gängige Praxis der Organimplantationen und betont die veränderten Verhältnisse; Kannibalismus ist längst kein befremdliches Ritual abgelegener Inselvölker mehr, sondern in der Mitte der europäischen Gesellschaften angekommen und akzeptiert, geht man von der reinen Wortbedeutung als Einverleiben fremder Körperteile aus.
Die Ausstellung „Alles Kannibalen?“ möchte nun einen Überblick über die Verarbeitung des Themas in der Kunst geben. Ausgehend von der Renaissance soll im Berliner me Collerctors Room der Olbricht Stiftung sein Spaziergang durch die Neuzeit mit dem Fokus auf dem blutrünstigem Brauch geboten werden. Die Ausstellung scheint einen Spagat zwischen ernsthafter soziologischer Studie und satirischer Zuschaustellung rohem Fleisches à la Körperwelten zu versuchen, der ihr leider nicht gelingt. Eine Fokussierung auf eine Art der Darstellung hätte die Ausstellung in besserem Licht erscheinen lassen, so irritiert sie den Besucher mit zu vielen Ansatzpunkten, zwischen einfachem Ekel und sexueller Provokation und ernstzunehmender Reflexion.

























